Die Auswirkungen der Coronakrise sind komplex und oft paradox. Wird der globale Handel nun reduziert oder erst recht zulegen?
Sind Fernreisen, Fussballspiele oder grosse Seilbahn-Gondeln dem Untergang geweiht oder bald wieder ganz normal? Die Orientierungslosigkeit macht leider auch vor der Sprache nicht halt.
Translingua hat – augenzwinkernd – einigen Begriffen auf den Zahn gefühlt und ist auf vielerlei Widersprüche gestossen:
– Covid-19: Dies tönt technischer als Corona-Virus und weniger beängstigend. Zudem müssen wir nicht mehr ständig an Corona-Bier denken. Die mexikanischen Brauer haben wohl mächtig profitiert von der Gratiswerbung. Oder war es Antiwerbung?
– Covid 19 en français: In der Romandie herrscht Sprachkonfusion. Viele unsere compatriotes sagen nämlich «le covid 19». Nicht so die Academie française, welche zum Schluss kommt, dass das «d» in Covid für «disease» steht, was auf Französisch «la maladie» heisst, also vom Genus her weiblich ist und somit «la covid 19» ergibt.
– Social Distancing: Gemeint war eigentlich etwas ganz anderes, nämlich «Physical distancing», also schlicht und einfach sich physisch nicht zu nahe zu kommen. Einmal etabliert, war es dann aber zu spät, dies noch zu korrigieren. Und im Laufe der Wochen ist für viele aus dem ursprünglichen physischen Abstandhalten dann leider doch ein Social Distancing geworden. Schade, finden wir.
– Lockdown: Auch für dieses Wort fanden wir irgendwie keinen besseren deutschen Begriff. Witzig, dass das Gegenteil, die Lockerung, ähnlich tönt. Die ebenfalls teilweise verwendete Variante für das Herunterfahren des gesamten öffentlichen Lebens, «Shutdown», klingt auch nicht besonders beruhigend.
– Home-Office: Das uns verordnete Heimbüro, also das Arbeiten von zu Hause aus, heisst auf Englisch gar nicht «home office», sondern «to work from home» oder, allgemeiner, «to work remotely». Hätten wir das gewusst – wie hätten wir’s dann genannt?
– Seuchengemeinschaft: Endlich ein deutsches Wort, aber was für eins. Denn was nach Zombie-Kommune tönt, soll tatsächlich unsere Liebsten umschreiben; die Personen, mit denen wir täglich in engem Kontakt stehen? Das ist doch wohl eher eine Frechheit! Wobei, wenn wir an die «Smombies» in unserem Umkreis denken oder an unseren eigenen TV- und Chips-Konsum während des Lockdowns, dann hat’s mit der Seuchengemeinschaft bzw. Suchtgemeinschaft vielleicht schon etwas auf sich.
– «Die Bilder aus Italien gehen viral»: Liebe Radiomoderatoren, wenn es um ein tödliches Virus geht, ist der vom Englischen «to go viral» übernommene Ausdruck kein treffendes, lustiges Wortspiel, sondern ganz und gar unpassend und sollte strikte vermieden werden.
Hoffen wir, dass die Menschheit Covid-19 und die damit verbundenen sprachlichen Widersprüche überwindet. Ihnen, liebe Blog-Leserinnen und Leser, wünschen wir eine schöne und gesunde Sommerzeit!
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